Stadtteilführung mit dem Chronisten - Ilversgehofen und Johannesplatz

Ilversgehofen ist ein interessanter Stadtteil im Erfurter Norden. 1145 erstmals urkundlich erwähnt, leben heute hier mehr als 12.000 Einwohner auf knapp drei Quadratkilometern. Von der Magdeburger Allee bis zum Nordpark und von der Wendenmühle bis zum jetzigen Henry-Pels-Platz erstreckt sich das ehemalige Dorfgebiet, bereits 1911 zu Erfurt eingemeindet.

Wir sind mit Werner Hehn vom Bürgerbeirat unterwegs und lassen uns von dem Chronisten, der sich in der Historie bestens auskennt, durch Ilversgehofen führen. Wir widmen uns intensiv dem Johannesplatz. Das erste ‚Neubaugebiet‘ Erfurts wird in diesem Jahr 50.

Einst großzügig angelegt, ist es auch heute noch für viele Erfurter attraktiv. Längst sind die Bäume groß und Schatten spendend, die Grünanlagen interessant gestaltet. Die Gebäude der Wohnungsbaugenossenschaften und der KOWO sind nach der Wende modernisiert. Und doch – man wünschte sich hier mehr Gastronomie und Einkaufsmöglichkeiten. Das einstige Vorzeigeprojekt – das Areal um den ehemaligen Treffpunkt Johannesplatz mit Gaststätten, Diskothek, Kaufhalle und Post – bietet in weiten Teilen einen eher traurigen Anblick. „Gerettet“ hingegen wurden die überlebensgroßen Skulpturen „Die Lesende“ vom Weimarer Künstler Eberhard Reppold und „Lebensfreude“ vom Künstler Helmut Braun 1973 erschaffen. Der Johannesplatz ein Ort, an dem es sich gut leben lässt.

Zurück zur Historie Ilversgehofens und des Johannesplatzes:
Zunächst im Besitz des Grafen von Gleichen war Ilversgehofen ein so genanntes Küchendorf und hatte an das Erzbistum Mainz Abgaben zu leisten zur Versorgung des bischöflichen Hofes.
1637 – während des Dreißigjährigen Krieges – wurde der Ort zerstört. Im Siebenjährigen Krieg lagerten hier die preußischen Truppen.
1813 plünderten in Erfurt stationierte französische Truppen den Ort und brannten ihn teilweise nieder, um freies Schussfeld gegen die belagernden preußischen und russischen Soldaten zu haben. Eine französische Order verfügte, dass auf dem Johannesplatz ein Friedhof entstehen sollte.
1829 wurde das Gelände zum Exerzierplatz.
1870/71 wurde das erste französische Kriegsgefangenenlager errichtet. 1884 fand das erste Sandbahnrennen auf Hochrädern statt, 1911 die ersten Flugtage mit internationalen Flugmaschinen.
1914 landete das erste Zeppelin-Luftschiff. Bei Ausbruch des Ersten Weltkrieges wurde ein Lager für rund 9.500 Kriegsgefangene errichtet. Nach Ende des Krieges dienten die Baracken als Notstandswohnungen.
1920 wurde das Evangelische Kinderheim eröffnet, 1927 die damals neu gebaute Lutherkirche geweiht.
In der NS-Zeit diente der Platz für Aufmärsche, 1945 waren die noch verbliebenen Baracken Anlaufstellen für Aussiedler aus den ehemals deutschen Ostgebieten.
1968 entstand das Neubaugebiet Johannesplatz.

Quelle: W. Hehn, Stadtteilführer und Mitglied des Bürgerbeirates Ilversgehofen, Wikipedia

Autor: B. Köhler Fotos: S. Forberg