Chronik


Quellen:

  1. Broschüre "Ilversgehofen. Ein Stadtteil im Spiegel der Geschichte" von Uta Fischer und Werner Hehn, herausgegeben vom Bürgerbeirat Ilversgehofen mit freundlicher Unterstützung der Sparkasse Mittelthüringen, 2011
  2. Wikipedia (http://de.wikipedia.org/wiki/Ilversgehofen)

 

 

1145

wurde Ilversgehofen erstmalig urkundlich vom Erzbischof von Mainz, Heinrich I., erwähnt.

1270

verpfändete die niedere Grafschaft an der Schmalen Gera als Lehen an die Grafen von Gleichen und die Herren von Vippach.

Zwischen 1332 und 1494

ist Ilversgehofen an die Stadt Erfurt gekommen und reiche Stadtbürger hatten hier Besitzrechte.

1440

legt der Erzbischof von Mainz, Dittrich I., mit seinem Gefolge auf dem Weg von Magdeburg nach Erfurt in Ilversgehofen einen Halt ein, um in der ersten Dorfkirche (1362) Eid und Gelübde abzulegen sowie die Huldigung der Erfurter zu empfangen.

1456

wurde die zweite Dorfkirche vollendet und dem Heiligen Nikolaus und Markus geweiht.

1637

während des Dreissigjährigen Krieges (1618 - 1648) wurden Kirche und Ort nahezu zerstört und man brauchte lange, um die dritte Kirche (1664) und das Gemeinwesen wieder aufzubauen.

1664

Mit der sogenannten Reduktion 1664 und der damit verbundenen Unterwerfung Erfurts unter Mainz, fiel auch das gesamte Erfurter Landgebiet an Mainz. Dieser Zustand währte bis zur Inbesitznahme durch Preußen 1802.

1757

Im Siebenjährigen Krieg (1756 - 1763) schlägt der König von Preußen, Friedrich II. (Alter Fritz), am 13. September 1757 sein Hauptquartier für zwei Tage in Ilversgehofen im Bechmannschen Haus (Hans-Sailer-Straße 62) auf.

1792

feiern die Studenten der Alten Universität Erfurt eine Woche lang ihr 400. Gründungsfest in der Ilversgehofener Flur (Studentenrasen)

1802

kommt Erfurt mit seinem Umland unter preußische Herrschaft und die Gemeinde vermutlich zu ihrem ehemaligen Siegel.

1806

fällt die Festung Erfurt an die französische Besatzung unter Napoleon Bonaparte und in Ilversgehofen wird dessen Kavallerie einquartiert, welche den Cardinalsfleck (Johannesplatz) zu Paradevorführungen nutzt.

1813

nach der Völkerschlacht bei Leipzig dringen am 5. November 1813 französische Soldaten in das von preußischen Truppen belagerte Ilversgehofen ein, brandschatzen und plündern den Ort, der 1814 preußisch wird und in den Folgejahren von den Einwohnern wieder aufgebaut wird.

1820

wurde die Mühle der Gebrüder Born gegründet. Die Firma leitete in Ilversgehofen das Industriezeitalter ein und produziert noch heute Senf. Bereits die ehemals sieben Mühlen an der Schmalen Gera in Ilversgehofen, darunter zwei Papiermühlen, galten als Fabriken des Mittelalters.

1821

konnte nach den schrecklichen Ereignissen von 1813 in Ilversgehofen, wobei nur der Kirchturm der evangelischen Kirche das Unheil überstanden hatte, ein vierter Kirchenbau im klassizistischen Stil errichtet werden, welchen Friedrich Wilhelm II. 1824 laut seiner Gottesdienstordnung als Martini-Kirche der Gemeinde umbenannt hatte.

1856

mit der Errichtung des königlich-preußischen Steinsalzbergwerkes in der Johannesflur wurde Ilversgehofen zum Bergbaustandort. Über zwei Schächte in 370 Meter Tiefe wurden 60 Jahre Steinsalz von ca. 70 Bergleuten gefördert und 1907 im Deutschen Hof das 50jährige Bergfest gefeiert.

1869

hatte Ilversgehofen mit der Eröffnung einer privaten Bahnstrecke Erfurt–Nordhausen seinen Eisenbahnanschluss erhalten.

1870/71

befand sich während des Deutsch-Französischen Krieges in Ilversgehofen ein Lager für französische Kriegsgefangene.

1878

wurde die katholische Volksschule in der Vollbrachtstraße gegründet und 1883 die evangelische Volksschule in der Salinenstraße.

1883

mit der Pferde-Straßenbahn und 1894 mit der Elektrischen Straßeneisenbahn war Ilversgehofen verkehrstechnisch mit Erfurt verbunden.

1885

wurde der Bahnhof Ilversgehofen, der heutige Bahnhof Erfurt-Nord, errichtet.

1894

wurde für die katholische Gemeinde St. Joseph ein Gotteshaus geweiht. Diese Kirche in der Bogenstraße wurde in nur zehn Monaten fertig gestellt.

Um 1900

hatten die in Ilversgehofen angesiedelten Unternehmen und deren Produkte bereits über Deutschlands Grenzen hinaus einen guten Ruf. Erwähnt seien hier u. a. J. A. John, Henry Pels, Lokomotivfabrik Hagans, Maschinenfabrik Erfordia, Malzwerk Eisenberg, Metallwerke B. Schramm und die Schuhfabriken E. Lingel. Größter ansässiger Betrieb war die 1902 gegründete Maschinenbaufabrik von Henry Pels, aus dem das Kombinat Umformtechnik hervorging.

Anfang des 20. Jahrhunderts

verschärfte sich die Wohnraumnachfrage als Folge der Industrieansiedlung in Ilversgehofen. Neben den Gründerzeitbauten um die heutige Magdeburger Allee folgt der Siedlungsbau im Tiergarten und am Nettelbeckufer. Das Jacobsen-Viertel, der Steinhügel sowie Teile der Feldstraße entstanden um 1926.

1901

wurde die Erfurter Konsumgenossenschaft im Erfurter Norden gegründet  und schon 1902 eröffnete in Ilversgehofen ihre erste Konsumverkaufsstelle.

1905

Mit dem Bevölkerungszuwachs in Ilversgehofen wuchs auch der Bedarf an Schulen, 1905 eröffnete die Volksschule in der Hans-Sailer-Straße und 1915 wurde die Lessingschule als Mittelschule (Nettelbeckufer) fertig gestellt.

1911

mit dem Gesetzblatt Nr. 9 des König von Preußen, Wilhelm II. von Gottes Gnaden wurde am 1. April 1911 Ilversgehofen zur Stadt Erfurt eingemeindet. Ilversgehofen war vor der Eingemeindung Erfurts größter Vorort. Damals waren auch die sozialen Probleme in Ilversgehofen am größten, galt es doch als armer Arbeiterstadtteil. Aus dieser Zeit stammt die spöttische Bezeichnung Blechbüchsenviertel für Ilversgehofen und andere Arbeiterviertel im Norden Erfurts.
Die Stadt übernahm die Verwaltung von Ilversgehofen am 29. April, das von diesem Zeitpunkt die Bezeichnung 'Erfurt - Nord' führt.

1912

Eröffnung der ersten Zweigstelle derStadtsparkasse Erfurt im ehemaligen Gemeindehaus Ilversgehofens, Poststraße 117, heutige Magdeburger Allee. An diesem historischen Standort wurde 80 Jahre lang der Sparkassenbetrieb aufrecht erhalten.

1912

wurde die Industriebahn am Rasenrain als kommunales Unternehmen gegründet, welches später die Gleisanschlüsse vieler Betriebe in Erfurt bediente.

1914 - 1918

Während des Ersten Weltkriegs waren in Zelten und Baracken bis zu 17.000 Kriegsgefangene in Erfurt Nord untergebracht. Wie schon in Kriegen zuvor diente der heutige Johannesplatz als Standort des Lagers. Daran erinnert heute der Name der Lagerstraße im Südosten Ilversgehofens.

1918

organisierte sich in Erfurt-Nord eine starke Arbeiterschaft. Sie bildete das Rückgrat der arbeitenden Menschen im "Roten Norden" beim gemeinsamen Kampf gegen soziale Ungerechtigkeit und Ausbeutung in der Arbeitswelt.

1923

Durch die Weltwirtschaftskrise mit Inflation und Massenarbeitslosigkeit entbrannte auch in Erfurt-Nord der Klassenkampf zwischen rechten und linken Gruppierungen, welcher nicht selten als handfeste Auseinandersetzungen auf der Straße oder in Lokalitäten ausgetragen wurden.

1925

Inbetriebnahme eines Verkehrsflughafens an der Stotternheimer Straße.

1925

eröffnete das Erfurter Nordbad. Es war bei seiner Errichtung im Jahre 1925 eines der größten und modernsten Freibäder Deutschlands. Insbesondere die hart arbeitende Bevölkerung fand hier Gelegenheit zu Erholung und Sport.

1933

errichteten die an die Macht gekommenen Nationalsozialisten ihr erstes Schutzhaftlager in Erfurt-Nord ein. Im Hintergebäude der Feldstraße 18, wurden über 100 Widerstandskämpfer inhaftiert, unter ihnen Josef Ries und Fritz Büchner, welche später verschleppt und ermordet  wurden.

1939

Mit dem Beginn des 2. Weltkrieges wurden auch in Erfurt-Nord viele Unternehmen teilweise auf eine Waffen- und Kriegsproduktion umgestellt, zu der auch Kriegsgefangene eingesetzt wurden. In der Hohenwindenstraße befand sich ein Flugzug-Reparaturwerk, das Kampfflugzeuge und Lastensegler auf den Kriegseinsatz vorbereitete.

1945

Zum Ende des Zweiten Weltkrieges hatten die Bewohner von Erfurt-Nord neben den persönlichen Verlusten, Hunger und Krankheiten auch die Kosten für die Instandsetzung zu tragen. Aus Kriegsschrott wurden damals die nötigen Haushaltsgegenstände wie Töpfe, Öfen und Handwagen gefertigt.

1946

Im Juli 1946 wurde in Erfurt-Nord das Unternehmen Henry Pels SAGBetrieb gegründet. In der Folgezeit gingen ganze Betriebseinrichtungen als Reparationsleistungen in die UdSSR, aber zeitgleich wurden auch Pressen gebaut und Lokomotiven repariert. Erst 1954 wurde dieser Betrieb in Volkseigentum überführt.

1949

Mit der Gründung der DDR verband sich für die Menschen nicht nur in Erfurt-Nord der Wunsch nach dauerhaftem Frieden und sozialer Sicherheit. Aufbauprogramme schufen den Nachholbedarf an Wohnraum. Mit der Lebensmittelversorgung auf Marken stabilisierte sich die junge Volkswirtschaft. Trotzdem kam es auch in Erfurt-Nord 1953 zu Warnstreiks in den Betrieben.

Ab 1952

wurden die Erfurter Stadtbezirke neu gegliedert und Erfurt-Nord erhielt eine kommunale Selbstverwaltung mit einem Stadtbezirksbürgermeister. Bis 1989 kamen auch die nördlichen Neubauwohngebiete hinzu.

1959

wurden im Rahmen des Nationalen Aufbauwerks durch die Bewohner und Betriebe in Erfurt-Nord der Thüringer Zoopark geschaffen.

1965 bis 1972

schuf man mit der komplexen Bebauung des Johannesplatzes in Erfurt-Nord ein Wohngebiet mit Schulen, Kindereinrichtungen und gesellschaftlichem Zentrum, welches heute ein eigener Stadtteil ist.

1988

wurde die Straßenbahnbrücke am Nordbahnhof gebaut. Sie erleichtert zwar den Weg zum Wohngebiet Roter Berg, nabelte andererseits die nördlichen Wohnbereiche vom übrigen Stadtgebiet ab. Im Jacobsen-Viertel, Am Steinhügel und der Feldstraße verfiel zusehends die Bausubstanz.

1989/90

mit der Politischen Wende bekamen die Menschen in Erfurt-Nord zwar die D-Mark, aber infolge von Betriebsschließungen auch Arbeitslosigkeit und sozialen Abstieg in vielen Haushalten zu spüren.

1993

schlossen sich die Händler und Gewerbetreibenden, die auch um ihre Existenz bangten, in der Interessengemeinschaft Magdeburger Allee zusammen, um die längste Einkaufsstraße im Erfurter Norden neu zu beleben.

Anfang der 90er Jahre

mit der Gebietsreform haben auch die Stadtteile im Norden ihren ursprünglichen Namen zurückbekommen. Dem Stadtteil Ilversgehofen wurde nach über 80 Jahren seine geschichtliche Identität zurückgegeben. Damit wurde zugleich der Grundstein für ein wieder erwachendes Selbstbewusstsein seiner Bürgerschaft und für einen Neuanfang nach mehreren politischen Umbrüchen gelegt. Durch den Stadtteilstatus veränderte sich auch das Erscheinungsbild Ilversgehofens.

2006

erstellte das vom Stadtentwicklungsamt beauftragte Leipziger Büro für urbane Projekte einen Konzeptionellen Stadtteilplan (KSP) für Ilversgehofen.

2007

Mit dem Votum des Stadtrates gründeten am 05.12.2007 auf einem Einwohnerforum 10 aktive Bürger den Bürgerbeirat Ilversgehofen, der seitdem als Schnittstelle zwischen Bürgern und Stadtverwaltung fungiert, die Akteure im Stadtteil vernetzt und als "Sprachrohr" in den Stadtteil und aus ihm heraus dient.

2011

Anlässlich des 100. Jahrestages der Eingemeindung Ilvergehofens zu Erfurt wurde eine Gedenktafel am Ilversgehofener Platz eingeweiht.